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Sie denken jetzt sicher, wir berichten über eine Bio-Sondermischung für den Zoo oder einen Safari-Park. Das wäre zwar mal was Anderes und mit Sicherheit interessant, aber  darum geht es in diesem Artikel nicht. Hier geht es um artgerechtes biologisches Saatgut und wieso es davon so wenig gibt, um die Möglichkeiten, die wir Reiter haben , wenn es um nachhaltige Grünlandbewirtschaftung geht, die unseren Pferden gerecht wird… 

Das Steppentier kommt aus Ihrem Stall!

Sie wissen es bestimmt, aber irgendwie ist es in Vergessenheit geraten:

  •  Die Vorfahren Ihres Pferdes waren Steppentiere. Genügsam, bewegungslustig   und mit einem Verdauungssystem ausgestattet, daβ auf Dauerbetrieb eingestellt ist.

Das wir das vergessen haben, das ist kein Wunder und muss Sie nicht beunruhigen, denn die Futtermittelindustrie vermittelt Pferdehaltern genau das Gegenteil.

Unser Pferd ist ein Hochleistungstier und braucht mehr, als wir ihm sowieso schon füttern…

Leicht bekommt man den Eindruck, dass Gras und Heu  für ein Pferd wie Nudeln oder Kartoffeln für den Menschen ist. Also muss da unbedingt noch Getreide – am besten als Muesli-Futter – dazu.  Wie schädlich diese dauerhafte Überversorgung mit Hochleistungsgras und Hochleistungsfutter ist, belegen die zahlreichen Fälle von Hufrehe.

Die Leistungsspirale

Werbung f. Gruenlandsaat auf http://www.diesaat.at

Wichtig zu wissen ist, daβ sich das Gras auf unseren Weiden in den letzten 50 Jahren grundlegend verändert hat. Bei Grünlandsaaten sprechen wir heute von Hochleistungs-Grassorten mit sehr hohem Zuckergehalt, die den Ansprüchen von Hochleistungskühen gerecht werden.
Die wiederum müssen unseren Ansprüchen gerecht werden, nämlich möglichst viel Milch und Fleisch in möglichst kurzer Zeit zu produzieren. Dabei sollen die  Preise für Milch, Butter und Käse und Fleisch dauerhaft niedrig gehalten werden – das geht nicht ohne Hochleistungsfutter.
Am Anfang dieser „Leistungsspirale standen die ersten Hochleistungs-Milchkühe, die quasi verhungert sind , weil man gar kein angemessenes Futter für ihre enorme Milchleistung hatte.  Heute stehen Almbauern wieder vor der gleichen Problematik. Die Zahl der abgemagerte Rinder mit Hufproblemen in den Alpen steigt stetig, da das Futterangebot zu niedrig und die Ansprüche in den Alpen für moderne Zuchtrinder zu hoch sind. Mittlerweile ist man auch hier zu der Erkenntnis gekommen, dass eine Rückbesinnung auf das „Alt Hergebrachte“ durchaus Sinn macht.

Diesem Trend steuert natürlich die Saatgutindustrie massiv entgegen. Hand in Hand mit der „Leistungsrinder“-Lobby werden hier Saaten produziert, die geimpft und genetisch aufgepeppt in kürzester Zeit für super Grünfutter mit richtig viel Power sorgen sollen.

Weniger ist mehr

Wir beobachten diese Entwicklung nun schon seit einiger Zeit und fragen uns, wie kann man gegensteuern.

Heu, wie es der Landwirt für seine Milch- oder Fleischrinder, seine Schafe und Lämmer haben will, für robuste, ist für wenig genutzte Pferde reines Gift. Lässt man sie nur lange genug davon reichliche Mengen fressen, werden viele von ihnen Hufrehe bekommen. Lediglich Renn- oder Distanzpferde im Training, Zuchtstuten oder –Hengste vertragen das gleiche Heu wie Kühe und Kälber!
Leichtfutterige Pferde kann man auf fetten Weiden in Flussniederungen oder fruchtbaren Tälern und Ebenen nur artgerecht halten, wenn man sie entweder täglich 8 Stunden hart arbeiten lässt, oder die Weidezeit stark begrenzt UND außerhalb der Weide möglichst spät geworbenes Heu von mageren Böden aus im Zweifel weiter entfernten Höhenlagen füttert.

Die logische Konsequenz ist eine Umstrukturierung in der Saatgutzusammenstellung. Grünlandsaaten für artgerechte Ernährung von Pferden helfen, das Schreckgespenst „Hufrehe“ im Zaum zu halten und sind ein wesentlicher Faktor, wenn es um Nachhaltigkeit in der Pferdewirtschaft geht.

Auf die richtige Mischung kommt es an

Mit Blick auf die eben beschriebene Siatuation  hat Green-E-lite  in Zusammenarbeit mit CAMENA eine biologische Saatgutmischung zusammengestellt, die eine artgerechte Fütterung von Pferden ermöglicht:

CAMENA Pferdeweide, Saatgut 80% BIO – „Fruktanarm Spezial“

  • 5 % Lieschgras Lischka biologisch
  • 25 % Wiesenschwingel Cosmolit biologisch
  • 15 % Wiesenrispe Oxford
  • 15 % Rotschwingel Gondolin biologisch
  •   5 % Wiesenfuchsschwanz Vulpera
  •   5 % Rohrschwingel Kora biologisch

Bei der Zusammenstellung wurde groβen Wert auf Ausdauer, Futterwert und Widerstandsfähigkeit der Gräser gelegt. Ebenso berücksichtigt wurden die wichtigsten Einflussfaktoren auf den Fruktangehalt, der ja als hauptverantwortlicher Auslöser von Hufrehe gehandelt wird: Pflanzenart, Tages- und Jahreszeit, Lichtintensität, Temperatur, Düngestatus sowie Nutzungsintensität der Weide.

Der Fall „Weidelgras“

Verzichtet haben wir dabei ganz auf den Einsatz von „Deutschem Weidelgras“, denn Ryegräser wie Englisches, Italienisches oder Hybrid-Ryegras lagern deutlich höhere Mengen an Fruktan ein als Knaulgras, Wiesenschwingel oder Wiesen-lieschgras. Begründet ist das, wie folgt:

In einer ersten Studie 1999 fanden die Wissenschaftler LONGLAND et al. im Englischen Ryegras, das auch Deutsches Weidelgras genannt wird, saisonal Fruktanwerte von bis zu 400 g/kg Trockenmasse. In einer weiteren Forschungsreihe 2003 lieβen sich diese Ergebnisse nicht bestätigen, aber hier wurden noch maximale Fruktangehalte von 120 g/kg TS erreicht (LONGLAND und MURRAY 2003).
Neben Artenunterschieden wurden für Weidelgras, Knaulgras, Wiesenschwingel und  Wiesenlieschgras auch Sortenunterschiede bezüglich des Fruktangehaltes nachgewiesen (KÜHBAUCH 1972a, b, MEISTER und LEHMANN 1984). VON BORSTEL und GRÄßLER (2002) untersuchten in einer Studie früh-, mittel- und spätreife di- und tetraploide Sorten des Deutschen und Welschen Weidelgrases sowie verschiedene andere Gräserarten des Grünlandes auf ihren Fruktangehalt. Auch hier wiesen Deutsches und Welsches Weidelgras die höchsten Fruktankonzen-trationen auf, Wiesenfuchsschwanz und Wiesenlieschgras enthielten die niedrigsten Fruktangehalte.

Mittäter „Endophyten“

Neben dem Fruktangehalt spielen auch Endophyten eine Rolle, wenn es um   Deutsches Weidelgras und Hifrehe geht.  Endophyten sind mikroskopisch kleine Pilze, die in bestimmte Hochleistungsgräser bewusst hinein gezüchtet werden. Sie leben von der Wirtspflanze, sind aber hoch giftig und schützen diese dadurch vor Fraßfeinden. Leider sind das nicht nur Insekten oder Schnecken, sondern auch Kühe und Pferde. Der Heubauer hat bei solchen Hochleistungsgräsern zwar einen höheren Ernteertrag, sein Kunde aber, der Pferdehalter hat im Zweifelsfall den Schaden, denn Endophytengifte finden sich natürlich auch im Heu, welches aus Hochleistungsgräsern geworben wurde! (Mehr Informationen hierzu findet man in einem Artikel der Reiter Revue von 2008 )

Nachhaltiges Saatgut …

… also warum in die Ferne schweifen,  um Bio-Heu aus der Höhenlagen über evt. 100te von km heran zu schaffen, wenn man vor Ort eventuell mehr durch den Einsatz nachhaltiger Saatgutmischungen bewirken kann?
Wer kein eigenes Weideland hat, kann mit seinem Landwirt über den Einsatz alternativen Saatgutes für „Pferdeheu“ sprechen oder dem Pensionsbetreiber ein paar Tips geben…

Wir jedenfalls freuen uns, wenn wir mit unserer neuen Saatgutmischung zu mehr Nachhaltigkeit und Kosteneffizienz in der Pferdewirtschaft beitragen. Wenigstens eine Diskussion über artgerechte Fütterung unserer Pferde sollte drin sein!

Zertifiziertes Oeko-Saatgut

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